Chronik der Straßennamen

 

Weinanbau in

Dobbrikow

Der Ortsteil Dobbrikow lässt sich kaum vom Naherholungsgebiet trennen. Selbst die 18 Postadressen beziehen sich auf die faszinierend vielfältige Natur in diesem wasserreichen Landstrich.

Die naturbezogenen Straßennamen Dobbrikows haben wirklich ihren Reiz. Denn wo findet man sonst so einen schönen Namen wie Weinbergstraße, wobei diese Bezeichnung auch wirklich von einem Weinberg in früherer Zeit verkündet. Aber beginnen wir im Dorfkern, Am Anger. Ein kleiner Teich, umrahmt von großen alten Eichen und Weiden ist der Blickfang, wenn man ins Dorf kommt. Früher grasten im Schatten der alten Bäume Ziegen, doch die sind schon lange nicht mehr da. In und um Dobbrikow befinden sich sieben Seen. Daher rühren auch die Straßenbezeichnungen Am Bauernsee, Am Stabelsee und Am Vordersee. Der Bauernsee ist der größte der Dobbrikower Seen. Der heutige Stabelsee soll ein abgetrennter Teil des einst viel größeren Bauernsees gewesen sein.

Der Ahornweg, Unter den Eichen, der Tannenweg und der Erlenweg befinden sich zwischen dem Vordersee und dem Bauernsee. Diese Namen weisen auf den artenreichen Laub- und Mischwald in dem Naherholungsgebiet hin.

Die durch Dobbrikow führende Hauptstraße trägt diesen Namen von Luckenwalde kommend, bis zur Ortsmitte. Ab der Ortsmitte heißt sie Beelitzer Straße und weist auch sogleich die Richtung.

Auf der Nettgendorfer Straße gelangt man unweigerlich nach Nettgendorf. An dieser Straße befindet sich die Kirche und ein Stück des Weges weiter, auch der Friedhof von Dobbrikow.

Fischerweg und Fischerheide gehören, wie auch die nach den üblichen Baumarten benannten Wege, zur sogenannten Bungalowsiedlung und liegen zwischen dem Vordersee und dem Bauernsee. Dass diese Gewässer seit jeher die Petrijünger anlockten, lässt sich bei den Namen eigentlich vermuten. So könnte die Bezeichnung Fischerheide auch von - des Fischers Heide- stammen.

In der Familie Bergemann hat das Fischen eine lange Tradition. Der Fischer Helmut Bergemann wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Dobbrikow, im Haus am Fischerweg 1, geboren. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nicht zurück. Sein Sohn Helmut Bergemann jun. hatte das Handwerk von seinem Vater erlernt und wurde ebenfalls Fischer. Er brachte Hechte, Karpfen, Barsche, Plötzen oder Schleie nach Hause. Zu Beginn der 60er-Jahre übernahm der Anglerverband das Fischen auf dem Bauernsee und Bergemann jun. zog sich in seine Landwirtschaft, die er neben dem Fischen betrieb, zurück. Und auch heute fischen die Männer der Familie Bergemann noch gerne, allerdings nicht mehr beruflich.

Der Forsthausweg und die Forststraße führen zu einem Forsthaus, das auch heute noch bewohnt ist. Bevor man zum Forsthausweg gelangt, muss man aber noch die Mühlenstraße durchfahren. Bis zur politischen Wende wurde in der dortigen Mühle  noch Schrot gemahlen. Heute steht die Mühle still.

Entlang der Weinbergstraße ist auf der rechten Seite schon von Weitem das Landschulheim zu erkennen. Linkerhand befindet sich der Weinberg, auf dem sich noch Reste nacheiszeitlicher Steppenvegetation befinden. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde das Gebiet von Slawen besiedelt. Das Erzbistum Magdeburg eroberte Dobbrikow. Die Zisterzienser-Mönche kamen aus Altenburg und ließen sich in Kloster Zinna nieder. Da sie nicht lehrend tätig waren, widmeten sie sich der Landwirtschaft und dem Handwerk. So bauten sie auf einer 2,5 Hektar großen Fläche, auf terrassenartigen Hängen Wein an. Es gibt eine Legende die besagt, dass Schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg die Weinkulturen vernichtet haben. Seit langer Zeit wird in Dobbrikow kein Wein mehr geerntet, aber noch heute kann man die alten Weinstöcke austreiben sehen.

Zu guter Letzt soll auch die Mittelstraße zu Ehren kommen. Allerdings lässt sich eigentlich nur sagen, dass sie parallel zur Hauptstraße liegt.