| Chronik der Straßennamen |
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Über
sehr geheimnisvolle und geschichtsträchtige Namen verfügt seit acht
Jahren der Ortsteil Gottsdorf. Ganz praktisch, weisen der Zülichendorfer
Weg und der Kemnitzer Weg
die Richtung. Landet man doch, wandelnd auf diesen Wegen, direkt in den
besagten Dörfern. In
Gottsdorf gab es früher einmal zwei Wassermühlen. Die Ober- und die
Untermühle lagen am Pfefferfließ. Beide wurden im 13. Jahrhundert
erbaut. Erstmals schriftlich erwähnt wurden sie, als derer von Richow,
die damaligen Herren Luckenwaldes, die umliegenden Dörfer 1285 an das
Kloster Zinna verkauften. So geschah es auch mit Gottsdorf. Die
Obermühle ist heute ein
Technisches Denkmal. Fleißig wird seit fast 100 Jahren von der Familie Röthel
dort gemahlen. Schon der Großvater des jetzigen Müllers Martin Röthel,
betrieb diese Mühle. Er kaufte sie 1904. Das Haus in dem die Familie
heute noch wohnt, wurde 1879 von Müller Ehrenberg erbaut. Davor betrieben
Müller Gericke und Müller Imme die Mahlsteine. Sie alle haben etwa 100
Jahre lang in Gottsdorf ihre Brötchen verdient. Wie
Martin Röthel erzählt, muss die Mühle in einem anderen Verhältnis zum
Kloster Zinna gestanden haben, als das übrige Dorf. Denn beide Mühlen
sind in den Kirchenbüchern von Frankenfelde vermerkt. Gleich
nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bezogen Bauern keine Brotmarken,
denn sie galten als Selbstversorger, erzählt Martin Röthel. Jeder Bauer
hatte ein bestimmtes Ablieferungssoll pro Hektar. Bei kleineren
Landwirtschaften war das machbar, aber bei größeren wurde es sehr
schwierig, sagt er. So kann er sich noch erinnern, dass manche Bauern mit
ihrem Soll soweit hinterher hinkten, dass sie die Flucht gen Westen
ergriffen. In den 50er-Jahren nahm das Getreidemahlen ab. Das Brot war
sehr billig und so buken die Menschen zwei Jahre lang kaum noch selber. Während
der DDR-Zeit blieb die Mühle im privaten Besitz der Röthels, denn ein Müller
galt als Handwerker. Ab 1961, so Röthel, haben viele Müller begonnen, für
die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu mahlen. Bei den
Endprodukten handelte es sich aber nicht nur um Mehl, sondern auch um
Tierfutter, beispielsweise Fischmehl. Röthel war in der Müllergenossenschaft
und musste kein Tierfutter herstellen. Er habe immer für die Bäcker in
Luckenwalde Mehl gemahlen. Das Korn lagerte unter anderem in Luckenwalde,
in dem Speicher bei der Polizei, der erst 2002 weichen musste. Wie
der Müller noch heute erzählt, wohnen in seinem Hause Kobolde. Des
Nachts rumoren sie manchmal in der Obermühle. Versorgt die Müllerfamilie
die listigen Kerlchen jedoch mit den Speisen, die sie selber isst, helfen
die Kobolde bei allen Arbeiten. Dann wird das Mehl weiß wie Schnee und
duftet wie erntereifes Korn. Die Säcke hüpfen fast allein auf die Ladeflächen
der Wagen. Wehe aber, die Familie vergisst die Kobolde und gibt ihnen
nichts zu essen oder aus Geiz nur die Reste, dann werden die Kobolde des
Nachts ziemlich ungehalten. Morgens herrscht dann eine gewaltige
Unordnung. Auch
wenn der Name ähnlich klingt, so hat doch die Müllerfamilie Röthel
nichts mit der Bezeichnung Am Röthpfuhl gemeinsam.
Aber auch dazu konnte Martin Röthel Auskunft geben. Einen Röthpfuhl soll
es auch in Mehlsdorf gegeben haben. Früher webten die Bauern Flachs. Doch
bevor es soweit war, musste das Stroh in einem Teich aufweichen, bis es mürbe
wurde, um so die Fasern zu erhalten. Dieses Verfahren soll man „röthen“
genannt haben.
Als
vor einigen Jahren die Straßennamen vergeben wurden, erinnerte man sich
an einen Graben, den es heute nicht mehr gibt. Sein Name lautete Sprint.
Und so nannte man die
nahegelegene Straße Am Sprint.
Die
Briesenbergstraße führt zum
gleichnamigen Briesenberg zwischen Gottsdorf und Frankenfelde. Die
Klinkenmühle, auch Untermühle
genannt, gibt es schon lange nicht mehr. Das Mühlhaus stand zwar unter
Denkmalschutz, wurde aber trotzdem vor etwa 20 Jahren abgerissen. Heute
wird ein Teil des historischen Hofes von einer Landwirtsfamilie bewohnt.
Der Klinkenmühler Weg führt daran vorbei. Die Parkstraße führt von Gottsdorf nach Frankenfelde. An diesem Weg gelegen, gibt es, wie der Name schon sagt, einen schönen Park. Unbekannt ist bis heute, wer ihn angelegt hat. Fantastisch
Sagenumwoben ist auch der Pekenberg. An seinem Fuß befindet sich der Pekenbergweg.
Er führt von Gottsdorf nach Nettgendorf. Der Sage nach lebt seit dem
Mittelalter ein Riese auf dem Pekenberg. Der Name Pekenberg soll eine
Deutung von Ofen- oder Backofenberg sein. Vielleicht war damit die Form
des Berges gemeint oder aber auch die Öfen, die die Dorfbewohner auf
Grund der Feuergefahr ein wenig außerhalb des Dorfes aufstellten.
Eigentlich soll der Riese friedlich sein, so erzählen es sich die Leute.
Aber bereiteten ihm die Menschen Ärger, so bewirft er sie mit Steinen. Überall
in der Nähe des geheimnisvollen Berges, findet man die kleinen und großen
Wurfgeschosse. Der Sage nach, begann der Riese vor langer, langer Zeit
sehr große Steine mit sich herum zu schleppen. Niemand hätte sie anheben
können und niemand wusste was der Riese vorhatte. Man mutmaßte, dass er
vielleicht einen Turm bauen wollte, wie es seine Verwandten in Belzig
getan hatten. Einige junge Burschen hörten eines Tages lautes Ächzen und
Schnaufen vom Berg. Der Riese sagte immerzu: „Wo leg ick den Stein
hin“. Den Burschen wurde Angst und Bange, hatten sie den Riesen doch
schon einmal geärgert. Da antworteten sie dem Riesen: „Leg ihn dahin,
wo du ihn gefunden hast“. Mit einem gewaltigen Poltern fiel der Stein zu
Boden. Seither ist es still auf dem Pekenberg. Der Riesenstein schien
verschwunden. Eines
Tages jedoch, fand ihn Bauer Ewald aufs Hennickendorf beim Pflügen auf
dem Acker. Mit schweren Hebezeug schaffte man den Stein 1988 auf den
Dorfplatz, wo er als geologisches Naturdenkmal noch heute zu bewundern
ist. Mit
96,1 Meter ist der Pekenberg der vierthöchste Berg in der Gemeinde
Nuthe-Urstromtal.
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