| Chronik der Straßennamen |
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Noch
zu Beginn der 90er-Jahre lebten alle Einwohner des Ortsteiles Holbeck in
der Dorfstraße. Heute sieht es etwas anders aus. Bedingt durch die
Vergabe der neuen Straßennamen, wird der Wohnort heute doch etwas genauer
und individueller beschrieben. Unverkennbar und leicht zu finden ist der Seeweg und Zum Friedhof.
Hier wurden die Bezeichnungen aufgegriffen, die ohnehin gebräuchlich
waren. Der Holbecker See hat eine Größe von etwa 85 Quadratkilometern.
Nutzfische im See, der sich in einer Senke befindet, sind Hechte, Schleie,
Bleie, Barsche, Karpfen, Rotfedern und Plötzen.
Auch
in kleinen Orten gab es von jeher einen zentralen Platz. In Holbeck heißt
der Platz Am Dorfanger. Die
Eichenallee deutet auf die
besonders waldreiche Umgebung und die Geschichte des heutigen Ortsteiles
der Gemeinde Nuthe-Urstromtal hin. Im
Jahr 1648 erwarb die Familie Rochow das Gut Stülpe von den Hakes. Dazu
gehörten die Orte Holbeck, Ließen, Schmielickendorf und halb Riesdorf.
Schon hunderte von Jahren lebten die Menschen der Gegend von diesem Wald.
Erst durch die Familie von Rochow wurde nach und nach eine geregelte
Forstwirtschaft eingeführt und der Wald nicht mehr erschöpfend
ausgebeutet. 1830/31 unterteilte man den Wald in Jagen. Im Jahr 1900 ließ
ein von Rochow den ersten
Betriebsplan erstellen. In
den 80er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts, stellte man eine
beachtliche Baumartenverschiebung fest. So betrug der Anteil an Kiefern
1834-1841
65 Prozent. Bis zum Jahr 1984 stieg der Anteil auf
93,2 Prozent. Der Bestand der Erlen und Birken sank von 31 Prozent
in den Jahren 1834-1851 auf 5,8 Prozent 1984. Mit den Eichen verhält es
sich genauso. Deren Anteil sank von 3 Prozent in den Jahren 1834-1841 auf
0,8 Prozent im Jahr 1984. 1834 betrug der Anteil an Nutzholz 13 Prozent
und der Anteil an Brennholz 87 Prozent. In
der Ortschronik von Ingo Richter wird ausführlich auf die Wald- und
Forstwirtschaft derer von Rochow hingewiesen. So wird auch erwähnt: „Im
Ort Holbeck wurde im Jahre 1840 ein Teil der heute noch zu bewundernden
Eichenallee und zwar zwischen Gutshof und Dorfschulze (d.h. von dem
Vorwerk aus in Richtung Jänickendorf) angelegt.“ Über die heutige
Eichenallee gelangt man von Luckenwalde über Jänickendorf nach Stülpe. Holbeck,
zum Stülper Gut gehörend, wurde durch die Forstwirtschaft zwischen 1800
und 1900 von zwei Dingen geprägt. Erstens begann die Umwandlung von
Misch- und Laubwälder in Kiefernkulturen und zweitens wurden umfangreiche
Aufforstungen durchgeführt. Das
Rochowsche Forstamt hatte 1927 eine Flächengröße von 4333 Hektar. Nach
der Weltwirtschaftskrise 1929/1930, wurde auf dem Stülper Rittergut nur
noch Forstwirtschaft betrieben. Mit
der Bodenreform 1945 endetet die fast 300-jährige Geschichte derer von
Rochow und des Stülper Forstamtes. Einst geplündert, wurde der Wald
immer stärker wirtschaftlich genutzt. Für jede noch so kleine Teilfläche
schrieb das Forstamt eine spezielle Behandlung vor. Und so stehen noch
heute uralte Eichen im Holbecker Busch. Auch
zur Bezeichnung Alte Schule ließen
sich einige Entdeckungen in der Chronik
machen. Im Jahr 1806 wurde die adlige Schulhaltestelle zu Holbeck
durch den Invaliden Lehmann besetzt. Lehmann hatte sich in seiner 14-jährigen
Militärzeit im Felde gesundheitliche Schäden zugezogen und wurde aus
diesem Grund vom Militär entlassen. Vom Patron Rochow erhielt er 1806 die
Stelle als Lehrer in Holbeck. Nun bezog er Schulgeld, hatte eine freie
Wohnung, einen kleinen Garten und eine kleine Wiese. Zum Lehrer
ausgebildet war er nicht. Der
Unterricht wurde in seinem Wohnzimmer abgehalten. Ansonsten wurde dort
gekocht, gegessen und gewaschen. Immer Sommer, wenn die Kinder Ferien
hatten, musste sich der Lehrer durch Handarbeiten etwas dazu verdienen,
damit er im Winter mit seiner Familie nicht hungern musste. „Der
Ton der Schulkinder ist roh und ungebildet, wie das von ihnen, deren
Eltern sich größtenteils nicht viel über das Tier erheben, nicht anders
zu erwarten ist.“, heißt es in der Holbecker Chronik. Ebenso wird erwähnt,
dass der Lehrer armselig gekleidet und die Kinder zerlumpt und unreinlich
waren. Aber die Kinder gingen gerne zur Schule, teils weil sie lernen
wollen, andere um nicht die schwere Arbeit zu Hause verrichten zu müssen.
Die Kinder wurden von den ungebildeten Eltern schon mit 12 und 13 Jahren
zu Hofdiensten geschickt, berichtet die Chronik. Das Schulgeld betrug
vierteljährlich drei Groschen, weniger als das Schulreglement von 1763
besagt. Im Jahr 1829 starb der Schullehrer Lehmann. Bei dem äußert
geringen Einkommen konnte die Stelle nicht so schnell wieder besetzt
werden, so erklärte sich die Gemeinde bereit, 40 Taler Schulgeld zu
zahlen. So stieg das Lehrereinkommen auf 80 Taler. 1829
waren in Holbeck 35 schulfähige Kinder, von denen in der Regel nur 30 den
Unterricht besuchten. 1830 wird Lehrer Schilke, Sohn eines Predigers und
Vater dreier Kinder angestellt. Drei Jahre später, im Jahr 1833 brannte
das Schulhaus in Holbeck ab. Nun war die Gemeinde gezwungen eine Schule
und ein Hirtenhaus zu bauen. Zur
Jahrhundertwende (1900) war in Holbeck ein Lehrer ansässig. und
Sündenvergebung zugesichert. Tetzel ging so weit, dass er sogar
Ablassbriefe für zukünftige Taten verkaufte. Ritter Hake und sein Helfer
Herr von Ihlo kauften sich im Voraus den Ablass für einen Überfall. Dass
sie den Ablasskasten stehlen wollten, daran dachte Tetzel nicht. Der
Raub des gefüllten Geldkästchens ereignete sich in einer Novembernacht
des Jahres 1516. Lachend zeigten die Räuber dem Mönch, den von ihm
ausgestellten Ablassbrief. Die Knechte der Ritter brachten den großen,
jedoch leeren Geldkasten zur Nikolaikirche in Jüterbog, wo er heute noch
steht. Der
Sage nach soll der Schauplatz des Überfalls etwa einen Kilometer südlich
von der Austrittstelle des Grabens, aus dem Holbecker See, gelegen haben.
Dort erheben sich die Sandberge, früher Goldbeckische Berge genannt. Ein
Knecht verlor bei dem Überfall sein Leben. Daher stammt auch der
schauerliche Name Mordberge für die Dünen. |