Chronik der Straßennamen

 

Eine Schule im Sumpf

Liebätz 

Dorfstraße – unter dieser Postadresse waren vor ein paar Jahren noch alle Liebätzer anzutreffen. Heute schmückt sich der kleine Ort mit vier Namen, die auch noch allerhand Erinnernswertes zu Tage brachten.

Geht man den Weg An der Kirche entlang, kann man sich das Gotteshaus einmal ganz in Ruhe von allen Seiten anschauen. Es ist die dritte Kirche, die in dem kleinen Ort Liebätz gebaut wurde.

Das erste Gotteshaus wurde 1598 errichtet und von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg nieder gebrannt. Nach diesem Krieg kam die Armut. Die Menschen aber wollten ihre Kirche wieder aufbauen und gingen sammeln, so erzählt man. Bald konnte die zweite Kirche errichtet werden. Der Bau war ziemlich einfach, so dass das Gebäude schon nach 200 Jahren baufällig war und nicht mehr genutzt werden konnte. Im Jahr 1855 wurde die jetzige Kirche, ein neogotischer Backsteinbau, in der Mitte des Dorfes errichtet.

Neunzig Jahre später, während der Kampfhandlungen in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges, brannte die Kirche innen aus und die Glocke zerschmolz.

Üblicherweise hat eine Kirche zwei Glocken. Auch in Liebätz war das der Fall. Die erste Glocke musste aber schon für den Ersten Weltkrieg geopfert werden, so dass sich 1945 nur diese eine Glocke in der Kirche befand.

Anfang der 50er-Jahre wurde die Kirche wieder aufgebaut und eine Gutsglocke aufgehängt, die der Metallgießer Pantke aus Luckenwalde retten konnte. Aber ein Glockensachverständiger meinte, die Gutsglocke habe in naher Zukunft ausgedient und gehe wahrscheinlich kaputt. So wurde eine nicht gebrauchte Glocke aus Schöneweide und die neue Glocke, mit der Aufschrift „Wachet und betet!“, in den Glockenturm der Liebätzer Kirche gehängt.

Noch bis vor drei Jahren waren von außen die zugemauerten Artillerieeinschüsse des jüngsten Krieges deutlich zu erkennen. Für die Restaurierungsarbeiten wurden extra Steine angefertigt, denn die Steine der Kirche haben das so genannte Reichsformat, dass heute nicht mehr verwendet wird. Vor zwei Jahren bekam das Gotteshaus ein neues Dach. Im Frühjahr 2002 wurde die Kirche innen noch von Malern verschönert, so dass am 14. April 2002 die neue Glocke gebührend in Empfang genommen werden konnte.

Der Horstweg befindet sich in der Nähe der Kirche. Mit Horst wird eine Erhöhung bezeichnet, in Anlehnung an den Adlerhorst. So auch in Liebätz, denn der Horstweg ist ein paar Meter höher gelegen als der übrige Teil des Dorfes.

Im Bogen ist die Bezeichnung der kurvigen Ortsdurchfahrt. Umgangssprachlich wird dieser Bereich des Dorfes von den Bewohnern als „das Ende“ bezeichnet.

Der Küsterweg ist der Weg zur ehemaligen Schule des kleinen Ortes. Es war die vierte Schule in Liebätz. Die erste Schule wurde im 17. Jahrhundert in der Nähe der Kirche gebaut. Die zweite Schule befand sich ebenfalls im Dorfkern. Das Gebäude wurde später verkauft und als Gasthof genutzt. Die dritte Schule aber, wurde etwa 200 Meter außerhalb des Dorfes, im Sumpf- und Schilfgebiet, gebaut. Der Grund für diese „Ausgrenzung“, war ein Streit zwischen dem Küster und dem Gemeindevorstand.