Chronik der Straßennamen

 

Gezeichnet vom großen Brand

Ruhlsdorf 

Viele kleine Straßen gibt es im Ortsteil Ruhlsdorf. Dabei haben die meisten Wege ihre Bezeichnungen behalten oder es wurden nur geringe Veränderungen vorgenommen. So wurde zum Beispiel aus der Potsdamer Straße die Alte Potsdamer Straße. Nach wie vor ist die Bezeichnung richtungsweisend, denn über Wald und Flur gelangt man noch heute in die Landeshauptstadt Potsdam. Doch mittlerweile gibt es einfachere Möglichkeiten nach Potsdam zu gelangen.

Der Name Forststraße wurde durch den Namen Am Sportplatz ersetzt. Auch hier ist die Begründung ganz einfach. Früher lag der Weg am Waldesrand, also im Forst, heute befindet sich dort ein Sportplatz.

Am Wiesengrund heißt die Verbindungsstraße nach Woltersdorf. Außer das an der Straße Wiesen sind, lässt sich bisher nichts sagen.

An den Duhlen ist wirklich eine ortstypische Bezeichnung und stammt von einer Feldmarkbezeichnung. Auf diesem Weg gelangt man zum Gewerbegebiet des Ortsteils, aber auch zum Spitzberg, der sich hinter dem Kieswerk befindet.

Die Bergstraße bekam ihren Namen durch die zunehmende Erhöhung des Weges. In der Bergstraße gab es bis in den 20er-Jahre eine Gaststätte. Die dazugehörige Bäckerei hatte noch länger geöffnet, ist heute aber geschlossen.

An der Frankenfelder Straße befindet sich die Gemeindeverwaltung. Der Himmelsrichtung nach führt sie direkt nach Frankenfelde. Mit dem Auto muss man allerdings ein paar Kreuzungen passieren, um in den Ortsteil von Luckenwalde zu gelangen.

Die Bezeichnung Feldstraße musste der Gartenstraße weichen. Und das eigentlich aus einem ganz einfachen Grund. Es gab an diesem Weg keine wirtschaftlich genutzten Felder mehr, wohl aber Gärten. Die Änderung war aber sicher nicht so schmerzlich, denn schon vorher soll die Feldstraße landläufig als Gartenstraße bezeichnet worden sein.

Am Heideweg gab es einst viele Heidepflanzen. Später wurden an diesem Weg viele Einfamilienhäuser gebaut.

Der Interessentenweg war früher einmal ein Privatweg, der nur von den Siedlern, die sich um 1840 dort niederließen, genutzt wurde. Warum die Jahreszahl so bekannt ist, lässt sich einfach erklären. 1848 gab es in Ruhlsdorf ein großes Feuer, wobei der Dorfkern nieder brannte. Was dann folgte, war eine Welle der Neubebauung und Bedachung. Zum Teil wurden die Scheunen zu Wohnhäusern ausgebaut, was schließlich den Dorfkern oder besser gesagt, die Dorfaue vergrößerte. Demzufolge war auch der Straßenverlauf früher ein anderer. Die Bewohner des Hofes, von dem der Brand im Sommer 1848 ausging wurden aus dem Ort verbannt, siedelten sich aber vor dem Dorf, in der Kurve wieder an.

Bis 1972 gab es im Ruhlsdorfer Dorfkern sogar einen Dorfteich. Doch als im November 1972 ein großer Sturm alle Pappeln umstürzen ließ, verkam der Teich zu einer Dreckecke und wurde zugeschüttet.

Der Berkenbrücker Weg, früher die Berkenbrücker Straße, wurde in den 30er Jahren angelegt und weist den Weg in den mittelbar benachbarten Ortsteil.

Interessant ist die Geschichte des Kirchplatzes.  
Erst vor 100 Jahren wurde die Ruhlsdorfer Kirche errichtet. Vorher fand der Gottesdienst im Schulgebäude statt. Die Glocken hingen in einem Holzturm auf dem Dorfplatz. Sie wurden aber nicht nur zum sonntäglichen Gottesdienst geläutet, sondern auch als Schulglocke benutzt. Im Schulgebäude befand sich auch die Schwesternstation von Ruhlsdorf. Auch eine Bibliothek sowie ein Schulgarten gab es dort. Mit dem Bau einer neuen Schwesternstation wurde die alte aufgelöst. Zeitweilig war in dem Haus der Jugendclub des Ortes untergebracht. Mit der politischen Wände wurde das Gebäude verkauft und aus der Schule wurde ein Wohnhaus. Das einzige was heute noch an die Geschichte des Hauses erinnert, ist die Sirene.

Eine Begründung für den Namen Mittelweg könnte nur sein, dass dieser Weg zwischen der Bergstraße und Am Wiesengrund liegt, eben mittendrin.

Der Schlanenweg entstand durch die Gewerbeansiedlung vor Ruhlsdorf und bezieht sich auf die Gemarkung: die Schlanen.

Trebbiner Chaussee heißt die Kreisstraße die durch den Ortsteil, nach Trebbin führt. Früher gab es dort einen Kolonialwarenladen.

Auch wenn für alle Straßennamen in Ruhlsdorf eine, wenn auch vielleicht nicht ausreichende Erklärung gefunden wurde, für die Triftstraße gab es keine.  

Interessanter Weise soll noch erwähnt werden, dass man sich heute noch Geschichten rund um das Rauhe Luch, gleich hinter Ruhlsdorf in Richtung Liebätz gelegen, erzählt. In dem Sumpfgebiet gab es eine Insel, die nur Ortskundigen bekannt war. Dorthin gelangte man nur auf schmalen Wegen und auch nur wenn man wusste, wo man sich festhalten musste. 1945, bei Kriegsende sind einige Bewohner auf die Insel geflüchtet, vermutlich aus Angst vor der Roten Armee. Als sich die Lage wieder beruhigt hatte, kehrten sie in den Ort zurück. Heute ist das Gebiet verlandet und die Insel für Ortsfremde nicht mehr zu finden.