Chronik der Straßennamen

 

Ein Gefängnis für Landstreicher

Woltersdorf

Woltersdorf ist mit 32 Straßen der größte Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal. Die Einwohnerzahl ist seit 1925 fast konstant geblieben. Fährt man auf der B 101 durch den Ort, fällt als erstes die, des Nachts beleuchtete, Kirche ins Auge. Der Charakter des Ortes offenbart sich allerdings erst, wenn man von der Berliner Chaussee, wie die B 101 innerhalb des Ortes heißt, verlässt.

Die Alte Gottower Straße ist noch heute auf der Landkarte als Verbindung zwischen Woltersdorf und Gottow vermerkt. Ohne Weiteres kann man diesen Namen als richtungsweisend verstehen.

Die Straße Am Wasserwerk musste bis vor sechs Jahren ohne nähere Bezeichnung auskommen. Volksmündlich lag das, in den 80er-Jahren gebaute, Wasserwerk am Plaasweg. Wobei die Schreibweise Plaasweg nicht unbedingt richtig sein muss. Heute versorgt das Wasserwerk Scharfenbrück, Schöneweide und Gottow mit Trinkwasser. Woltersdorf wird vom Luckenwalder Wasserwerk versorgt.

Die Anhaltstraße ist in der Nähe des Bahnhofs und hängt offenbar unmittelbar mit der Eisenbahn zusammen, die kurz vor dem Bahnhof die Geschwindigkeit verringert und schließlich im Bahnhof anhält. Allerdings könnte der Name auch von der Anhaltinischen Eisenbahn stammen. Diese fuhr von Berlin Anhalter Bahnhof bis Jüterbog - Wittenberg - Köthen. 

In der Bahnhofstraße ist üblicherweise der Bahnhof.

In Woltersdorf gelangte man auf diesem Weg zur Papierfabrik. Bevor der Bahnhof errichtet wurde war es ein so genannter „fiskalischer Schotterweg“. Wobei fiskalisch von Fiskus kommt, der Weg also dem Staat gehörte. Durch den Bau des Bahnhofs wurde die Straße zu einer gefragten Wohngegend der Bahnarbeiter und Handwerker. Obwohl die Villa, die dem Wellpappenfabrikant gehörte, in der Bahnhofstraße stand, hatte sie lange Jahre ihren eigenen Namen: Papiermühle 1. Bis in die 30er-Jahre soll das Haus zur Gemarkung Luckenwalde gehört haben. Heute befindet sich in der Villa der Kindergarten.

Der Baumschulenweg befindet sich zwischen Jänickendorf und Luckenwalde. Früher hieß der Weg Forsthaus. Er gehört deshalb zu Woltersdorf, weil die Förstereien seit dem 20. Jahrhundert zu Woltersdorf gehören. In der dortigen Baumschule können sich die Förstereien mit Nadelhölzern, Hecken, Koniferen und ähnlichem ausstatten.

Der Straßenname Dammwiese stammt von einem Flurstück. Die Straße trug allerdings den Beinamen Storchengasse. Denn dort wohnte die Hebamme mit dem Nachnamen Klaus.

Die historische Bezeichnung Darre erzählt aus vergangenen Zeiten. Früher wurden in der Kiensamendarre die Zapfen der Kiefern gedarrt, also getrocknet, bis die Samen herausfielen. Die Darre gehörte zur Försterei.

Der Eichenweg liegt im westlichen Teil des Ortes, am Wald in der Siedlung. Da liegt es nahe, dass der Name entsprechend der Umgebung gewählt wurde.

Die Feldstraße bekam ihren Namen vermutlich, weil man auf diesem Wege schnellstmöglich aufs Feld gelangte.

Die Forsthäuser Birkhorst und Lindhorst weisen beide in im ersten Teil des Namens auf die Baumart der Umgebung hin. Horst dagegen deute auf Dickicht und Strauchwerk sowie eventuell eine Bodenerhöhung hin. Das Forsthaus Birkhorst befindet sich direkt an der B 101 hinter Woltersdorf. Das Forsthaus Lindhorst befindet sich an der Straße nach Gottow. Teerofen ist der Name des Forsthauses in der Nähe von Jänickendorf am Baumschulenweg. Es erinnert an die Pechsiederei  im 18. und 19. Jahrhundert.

In der Grünstraße befand sich früher der Schulacker. Das Stück Land konnte der Lehrer nutzen, um sich selber Obst und Gemüse anzubauen. Auf dem Woltersdorfer Schulacker wurde später das Pfarrhaus errichtet, denn bis 1919 standen die Schulen noch unter kirchlicher Aufsicht. Heute sind die Grundstücke in privaten Händen.

Die Heidestraße führte seit je her in den Wald. Irgendwann gelangt man nach Unterhammer.

Die Straße Hoher Winkel ist in der Siedlung zu finden. Dort geht es einfach bergauf.

Der Hugweg ist nach dem Flurname Hug benannt. Näheres ist bisher nicht bekannt.

Die Kirchhofstraße führt zum Friedhof des Ortes. Bis in die 60er-Jahre stand in dieser Straße noch ein kleiner Anbau eines Hauses, der als Gefängnis diente. Aber das Wort Gefängnis ist für diese Unterkunft wahrscheinlich ein wenig übertrieben. Denn in diesem kleinen Häuschen übernachteten Landstreicher und Wanderer. Noch heute erzählt man sich im Dorf, dass sich in den Zellen Striche an der Wand befanden, anhand derer der Inhaftierte die Tage zählte.

Der Kirchsteig erhielt seinen Namen durch die eifrigen Kirchgänger. Viele Jahrhunderte hatte Woltersdorf keine eigene Kirche. Bis 1910 gingen die Woltersdorfer in die Sankt Johannis-Kirche in Luckenwalde. Dieser Weg ist heute der Kirchsteig. Als 1904 in Ruhlsdorf eine Kirche gebaut wurde, gingen auch einige Leute in dieses Gotteshaus. So wurde auch dieser Weg damals als Kirchsteig bezeichnet. Heute bezeichnet man mit Kirchsteig nur noch den Weg nach Luckenwalde.

Der größte Woltersdorfer Zigarrenfabrikant und Hoflieferant des Kaisers, Otto Boenicke, geboren im Jahr 1848, finanzierte den Bau der Kirche. Da Boenicke damals in Berlin wohnte, sollte die Kirche der Wannsee-Kirche gleichen. Für eine Dorfkirche ist sie relativ groß und bietet für etwa 1100 Einwohner Platz. Eingeweiht wurde sie 1911. An der Südseite befindet sich eine Tafel mit der Aufschrift: „Kommet her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid.“ Boenicke stiftete ebenfalls das Pfarrhaus. Aus einem existierenden Briefwechsel zwischen Otto Boenicke und dem Amtsvorsteher geht hervor, dass er auch beabsichtigte ein Krankenhaus zu stiften. Woltersdorf sollte als Pendlerort zu einem Musterort der Mark Brandenburg werden. Auf Grund zu hoher Unterhaltskosten kam es jedoch nicht zur Schenkung des besagten Krankenhauses.

Heute hängen drei Glocken im Turm der Kirche. Am 2. August 1934 wurden zwei neue Glocken eingeweiht. Um 19 Uhr fand an diesem Sommertag die feierliche Glockenweihe statt. Auf einem vierspännigen Wagen, reich geschmückt mit Girlanden, gefolgt von kleinen festlich gekleideten Mädchen, wurden die Glocken zur Kirche transportiert. Der Ortspfarrer berichtete in einer kurzen Ansprache, dass die alte Glocke, die heute die beiden Schwestern willkommen heißt, am 8. August 1917 den Abschied läutete. In der großen Glocke ist die Verbundenheit mit dem Kirchenstifter bezeugt, der auch an dem festlichen Ereignis teilnahm. Gegossen wurden die Glocken aus Bronze, die eine vier und die andere 16 Zentner schwer, bei Schilling in Apolda. Das erste Geläut nach der Weihe galt dem verstorbenen Hindenburg.

Charlottenstraße, Luisenstraße, Marienstraße und Sophienstraße sollte man im Zusammenhang betrachten. Die Charlotten- und Luisenstraße gab es schon vor den Namensänderungen. Damals ging man in Woltersdorf davon aus, dass die Charlottenstraße nach der preußischen Kurfürstin Sophie-Charlotte und die Luisenstraße nach Königin Luise, der Gemahlin Friedrich Wilhelm III. benannt wurden. So fügte man bei der Straßennamenänderung kurzerhand die fehlenden Namen Marie und Sophie hinzu, indem die Bergstraße und die Mittelstraße ihre Namen lassen mussten. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass man sich gewirrt hatte. Die Namen stammen nicht von den preußischen Damen, sondern von den Mädchen, die einst auf den Höfen in den entsprechenden Straßen lebten.

So wurde die Charlottenstraße, die um 1900 gebaut wurde, nach Charlotte Sydow benannt. Den Erzählungen nach, muss Charlotte Sydow Zwillinge mit den Namen Rudolf und Anneliese geboren haben, die heute etwa 60 Jahre alt sind. Die Familie hat irgendwann ihren Grund und Boden verkauft.

Die Luisenstraße befindet sich in der Siedlung hinter der Bahn. Diese Straße wurde nach der Bewohnerin des Hauses, Luise Mangnus benannt. Die gesamte heutige Siedlung gehörte dem Bauer Mangnus. Man erzählt sich, dass er wegen Spielschulden sein Land verkaufte. Das war etwa in den 20er-Jahren. Der Grund und Boden wurde parzelliert und verkauft. Den Hof des Bauer Mangnus bewohnte ab Mitte der 30er- Jahre die Familie Hennig. Sie musste Felgentreu verlassen, weil dort der Schießplatz entstehen sollte und fand in Woltersdorf ein neues zu Hause.

Fährt man aus Luckenwalde kommend in Woltersdorf hinein, befindet sich rechter Hand das alte Woltersdorf. In der Heidestraße, der Alten Gottower Straße, dem Kirchsteig und der Schulstraße sind alle Häuser um die 200 Jahre alt. Nur in einer Straße wurden die Häuser um 1900 errichtet, das ist in der Neuen Straße. Dieser Bereich wurde von den Woltersdorfern immer „Vor d´ Enge“, Vor dem Ende,  genannt.

Die Oberförsterei befindet sich in der Nähe der noch heute bekannten Walkmühle zwischen Luckenwalde und Woltersdorf. Dort ist auch die Darre zu finden.

Die Potsdamer als auch die Ruhlsdorfer Straße weisen mit ihrem Namen den Weg.

Die Schulstraße liegt unweit der Schule. Hier lässt sich ein gedanklicher Ausflug in frühere Zeiten machen. In der Zeitung der MTS-Felgentreu „Unter der Lupe“, Nummer 12 vom 1.Juli 1958 war zu lesen, dass im Jahr 1790 der Schulinspektor einen längeren Bericht an die Regierung in Potsdam verfasste, aus dem hervorgeht, dass sich in Woltersdorf eine einzelne, „für sich bestehende Dorfschule“ befand. Patron der einzigen Lehrerstelle war der König. Lehrer war der im Jahr 1767 in Clausdorf geborenen Johann Friedrich Schulze. Dort war sein Vater Gerichtsschulze. Bis zu seinem 16. Lebensjahr blieb er bei seinem Vater, erlernte dann die Schneiderprofession und musste dann drei Jahre als Soldat dienen. Johann Friedrich Schulze war ein halbes Jahr auf der Realschule in Berlin tätig und erhielt 1790 die Lehrerstelle in Woltersdorf. Er war Vater vor vier Kindern, drei Söhnen und einer Tochter. Eine Berufung vom Amt hat er nicht erhalten.

Einige Zeit später, im Jahre 1900 wurde das Woltersdorfer Schulhaus errichtet. Darin befanden sich zwei Klassenräume und die Hausmeisterwohnung. Vier Klassen mussten in den zwei Räumen unterrichtet werden. Zu diesem Zeitpunkt waren schon zwei Lehrer an der Schule tätig, wobei jeder 0,25 ha Gartenland zur Bewirtschaftung erhielt.

Im Jahr 1929 waren drei Lehrer, Fritz Ludwig, Johannes Fraedrich und Hilfslehrer Karl Lange an der Schule tätig. Im Jahr 1945 wurden 168 Schüler in drei Gruppen unterrichtet.

Zwei Jahre später, 1947, war Lehrer Auhagen für die Schule verantwortlich. Am 1. September des selben Jahres wurde Kurt Fischer für die 7. und 8. Klasse, als Lehrer eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren Arthur Geitner in der 3. und 4. Klasse, Frau Bierbach in der 1. und 2. Klasse sowie Fräulein Bachmann in der 5. und 6. Klasse tätig.

In den Nachkriegsjahren 1947 und 1948 hatten die höheren Klassen oft am Nachmittag Unterricht, da die Räumlichkeiten begrenzt waren. Fast jeden Tag war Stromsperre, so dass der Unterricht auch bei Kerzenschein erfolgte. Ein Wohnraum der unteren Lehrerwohnung wurde dazu genommen und behelfsmäßig als Klassenraum genutzt. Die Schüler müssen jetzt in sieben Gruppen aufgeteilt werden.

Im Jahr 1948 erfolgte die Zentralisierung der oberen Klassen. Die Klassen fünf bis acht wurden aus Scharfenbrück nach Woltersdorf verlegt. Lehrer Kurt Fischer lief von Woltersdorf nach Scharfenbrück, um dort die Unterstufen zu unterrichten. Die Räumlichkeiten erwiesen sich zunehmend als zu klein, denn ab September 1948 sollten 280 Schüler in diese Schule gehen. Noch im selben Jahr wurde ein Antrag an das Schulamt gestellt, das Schulgebäude aufzustocken und so zwei weitere Klassenräume zu erhalten. Der Antrag wurde genehmigt aber was fehlte, war das Baumaterial. Der Rektor der Schule schlug vor, übergangsweise für ein Jahr das Herrenhaus des Gutes Scharfenbrück zu nutzen, soweit die „Behörden den Befehl der völligen Zerstörung“ zurück nehmen, so ist es in der Schulchronik in einem Schreiben vom 25. Juli 1948 zu lesen.

Seit 1925 stiegen die Schülerzahlen an, so lagen sie 1925 bei 104, 1935 bei 128, 1945 bei 168 und 1948 bei 244 Schülern.

Die Aufstockung der Schule erfolgte in den Jahren 1950/51. Nun waren in der Schule fünf Klassenräume und ein Behelfsraum. Während der Bauarbeiten wurden die Schüler vor allem in Gaststättenräumen unterrichtet. Der Schulleiter Auhagen setzte sich in den 50er-Jahren in den Westen ab.

Der 1960 begonnenen Bau einer neuen Schule wurde im folgenden Jahr fertig gestellt. Jetzt konnten zehn Klassen unterrichtet werden. Damit wurde die Schule zur Polytechnischen Oberschule - Woltersdorf. 1967 waren 324 Schüler in 13 Klassenräumen untergebracht. Zwei Jahre später wurden vier weitere Klassenräume benötigt. Als Lösung wurde der Schichtunterricht oder der Bau einer Baracke mit vier Räumen vorgeschlagen. Die Kapazität der Schulküche reichte ebenfalls nicht mehr aus. In den siebziger Jahren wurden die Räume noch mit 17 Öfen beheizt. Erst 1980 wurde eine Zentralheizung eingebaut.

Seit 1995 heißt die Woltersdorfer Schule Grundschule. Unterrichtet werden die Klassen eins bis sechs. 170 Schüler wurden am 10. April 1995 in der Woltersdorfer Grundschule unterrichtet.

Andere Quellen berichten davon, dass 1792 erstmals ein Schulmeister in Woltersdorf erwähnt wurde. 1813 ist von einem Gemeindeschulhaus die Rede.

In der Nacht vom 23.3.1884 zum 24.3.1884 brannte das Schulhaus völlig nieder. Es heißt, es war böswillige Brandstiftung. 1904 ist von den Lehrern Henze und Schmidt die Rede.

Noch vor acht Jahren hatte dieser Weg keine Bezeichnung, doch dann erhielt er den Namen Zum Eiserbach. Von Südosten kommend, fließt der Eiserbach nordwestlich von Woltersdorf in die Nuthe ein. Und wie die Bezeichnung Bach schon andeutet, soll das Wasser sehr kalt sein.

Zur Schäferei heißt ein Weg bei Gottow, der vor sechs Jahren noch keinen Namen hatte. Er befindet sich in der Nähe des Forsthauses Lindhorst und führt zu einer Schäferei. In den fünfziger Jahren hat dort ein Einsiedler in einer Laube gewohnt. Vermutlich war er Vegetarier. Die Leute aus dem Dorf nannten ihn den „Rohköstler“.

Zum Bürgerbusch ist die Verlängerung der Charlottenstraße. Auf diesem Wege gelangt man in das Waldstück Bürgerbusch, beziehungsweise nach Luckenwalde.

Zur Siedlung bezeichnet im Grunde alles, was sich hinter der Bahnlinie in Richtung Ruhlsdorf befindet. Als Straßenname beschränkt sich die Bezeichnung allerdings auf einen Weg.