Chronik der Straßennamen

 

200 Jahre Schule in

Zülichendorf

Zülichendorf kann seit Oktober 1996 mit sechs neuen Straßennamen aufwarten. Alle Bewohner lebten vorher in der Dorfstraße, jetzt gibt es Ackergasse, Dorfanger, Gottsdorfer Weg, Kemnitzer Landstraße, Schulallee und Siedlungsweg. Einige Namen beschreiben einfach die Gegebenheiten und Richtungen, so beispielsweise die Kemnitzer Landstraße und der Gottsdorfer Weg.

Einzig über die Schulallee sind Ausführungen möglich, denn eine Schule gibt es in Zülichendorf schon seit fast 200 Jahren. Auch wenn die Stelle des Gebäudes damals eine andere war, bleibt die Geschichte der Schule immer eng mit der des Dorfes verbunden.

Der Kreisschulinspektor und Superintendant in Luckenwalde Schwarzkopf berichtet 1810 dem König über die Lehrer in Felgentreu, Mehlsdorf und Zülichendorf. Er beschreibt sie als erbärmliche Subjekte, die wohl wenig zur Bildung der Jugend beitragen werden. Über Lehrer Hiltmann sagt er „Der Hiltmann in Zülichendorf ist ein völliger Bauer in Kleidung, im Betragen, in der Denkungsart. Zwar ist er sehr bescheiden, aber diese Bescheidenheit kommt aus dem Gefühl der offenbaren Schwäche. Er glaubt schon genug getan zu haben, wenn er die auswendig gelernten Fragen den Kindern vorlese.“

Wie Emil Koitz diese Gegebenheiten in einem Aufsatz festhielt, tat er es auch mit den Schulverhältnissen von 1862. „Am gleichen Tage, am 21. März 1862, visitierte der Kreisschulinspektor Schuhmann, die Schulen in Felgentreu, Mehlsdorf und Zülichendorf. In Zülichendorf wohnten dem Besuch bei:der Ortsschulinspektor Pickert, der Ortsschulze Hagen und die Schulvorsteher Schöffe, Seehaus und Hannemann. Die 48 Schulkinder wurden im Sommer in 2 Klassen, im Winter aber zusammen unterrichtet und zwar in denselben Tagesstunden wie sie bereits bei Felgentreu und Mehlsdorf angegeben wurden. Der Lehrer Paplow, seit 1862 in Zülichendorf, war verheiratet und hatte zwei Kinder unter 14 Jahren.“ Vor Lehrer Paplow hatte das Amt Lehrer Tinus inne. Nach ihm waren als Vertreter die beiden Präparanden (Vorbereitungsschüler) Brabandt und Wiemann dort tätig.

Die Schulsituation stellt sich wie folgt dar:

Im Schulraum ist kein verschließbarer Schrank, nur ein Bücher - Repositorium, die Schulstube ist 266 Quadratfuß groß, für die Schülerzahl aber viel zu klein; in der Schulstube ist kein Ofen, dort schlafen auch die Kinder des Lehrers, demzufolge im Kalten. Die Gemeinde weigert sich einen Ofen zu beschaffen, der Ofen in der Wohnstube ist defekt, ebenfalls defekt sind die Wände im Wirtschaftsgebäude. „Das Lehrereinkommen müsste nach der Regierungsverfügung 150 Reichstaler betragen. Die Gemeinde hat zum früheren Einkommen 20 Reichstaler zugelegt, sodass der Lehrer jetzt 135 Reichstaler bezieht. Eine Verbesserung der Stelle bleibt sehr zu wünschen. Sie müsste mit der Zulage 170 Reichstaler betragen, was aber seitens des Lehrers und Pfarrers bestritten wird.“

Vom Oktober 1945 befindet sich eine Kopie der Schülerzeitung in der Chronik von Zülichendorf: „Zülichendorfer Schülerzeitung, Umlauf bei den Familien mit schulpflichtigen Kindern in Zülichendorf, Zülichendorf, den 6. Oktober 1945, Henning Lehrer“, die Kinder können nun ihre eigene Zeitung lesen, aus Papiermangel gibt es nur ein Exemplar, das von Hand zu Hand und von Haus zu Haus geht. Das Ziel ist es, die Kinder zu freien Menschen zu erziehen.

„Noch ist unsere Heimat von fremden Heeren besetzt. Wir wissen, dass wir das dem einen Mann zu verdanken haben, dem einst Millionen als ihrem Führer zujubelten. Nur Unglück, Tod und Verderben haben uns die Nazis gebracht. Viele Menschen werden in diesem Jahr hungern und frieren müssen. Darum wollen wir uns immer wieder geloben, dass jene Menschen die so großes Leid über uns und unser Land gebracht haben, nie wieder in Deutschland etwas zu sagen haben dürfen.“

Weiterhin wird über einen Schulausflug im September berichtet, bei dem die Kinder fünf „Ausreißer“ suchen mussten. Zeugnisse gab es am 20. September, erstmals vom neuen Lehrer, Schulbeginn war der 1. Oktober mit 89 Kindern. Nachdem die Kinder dem Lehrer versprachen, immer artig zu sein zerbrach er sogar den Stock. Dann bekam jedes Kind eine große, mit Überraschungen gefüllte Tüte.

Täglich fanden 6 Unterrichtsstunden statt, dienstags und freitags zusätzlich 2 Handarbeitsstunden. Im Oktober 1945 wurden Eseda Rosin, Inge Thiemann, Ingeborg Voigt, Erna Weis, Ingrid Marquart, Alma Selcho, Hilde Kelm, Hermann Henke und Fritz Braune eingeschult. Vermerkt ist bei den Schulnachrichten auch die Geburt von Bernd Wenzel im September 1945. Seit 1. Oktober hat die Schule einen Elternbeirat, dem gehören Erich Ziehe, Emil Rosin, Jenny Henning und Klara Scholz an. (Quelle: Schülerzeitung, Ordner Chronik Zülichendorf Kopie)

1948 bekam Zülichendorf eine neue kleine Schule. Am Ende des Dorfes gab es ein kleines Bauerhaus mit zwei bewohnbaren Räumen, die von Umsiedlern genutzt wurden. Im September 1948 zogen die Umsiedler in eine andere Wohnung und das Haus wurde zu einer Schule umgebaut. Es wurden Öfen gesetzt, Fenster erneuert, neue Dielen gelegt, eine Toilettenanlage eingebaut. Dazu kam elektrische Beleuchtung in allen Räumen, neue Bänke und Tische und ein neuer Anstrich. Das Haus hatte zwei Klassenräume und eine Stube und Küche für den Lehrer. Im November 1948 wurde die Schule bezogen.

Am 10. Oktober 1960 wurde die Zentralschule Zülichendorf für die Klassen eins bis acht eingeweiht Die Schulen in den umliegenden Dörfern wurden aufgelöst. Im gleichen Jahr wurde ein Hort eröffnet, den anfangs 18 Kinder besuchten.

Die Bezeichnung Ackergasse deutet auf die landwirtschaftliche Nutzung der nahen Umgebung des Dorfes hin.

Die Ansiedlung der ersten Bewohner Zülichendorfs erfolgte in Angerform, die noch heute zu erkennen ist. Daher die übliche Bezeichnung des Dorfkerns als Dorfanger.